Bordeaux den 23 Januar 1874
(Nach dem 2. Besuch in
Europa. Wir waren zusammen in der Schweiz. Ferdinand war krank gekommen)
Lieber Albert
Auf dem Punkte das alte Europa wieder zu verlaßen schreibe
ich Dir diese Zeilen um Dir & der freundlichen, lieben Alexandrine Lebewohl
zu sagen. Morgen 9 Uhr geht’s am Bord der "Britania" fort &
hoffentlich kommen wir am 6 Februar in Bahia an. Du kannst Dir denken mit
welcher Ungeduld ich dem Augenblick meiner endlichen Ankunft zu Hause
entgegensehe; ich werde acht Monate abwesend gewesen sein. Meine Gesundheit hat
sich, Gott sei Dank, recht brav gehalten, sogar in Paris wo ich im entsetzlichsten Koth den ganzen Tag herumlaufen mußte
habe ich nur einen gelinden Schmerz in der Hüfte gespürt, der mir jedoch einen
großen Schreck einflößte. Nie hätte ich gedacht einen so ungeheuern Temperatur
zwischen der Schweiz & Frankreich zu finden. In Paris fuhr Alles in offenen Wagen, & um 11 Uhr Nachts sah ich
Herrn & Damen unter freiem Himmel
auf den boulevarde ihr Bier &
Wein trinken. Hier ist es dann noch ganz anders; die meisten Bäume herrlich
belaubt, saftig grüner Rasen, blühende Aurikeln & Feilchen, singende
Grasmücken & Finken; gestern um 3
Uhr nachmittag 14o cent. Wärme; ich mußte schlechterdings meine dicken Flanelunterkleider
ablegen. Aber Schmutz & Gestank hat man hier daß es ein wahrer Gräuel ist.
Gestern Abend waren wir in einer sehr netten soirée, wo ich als Inhaber der berühmten FS Marke in Caffe &
Cakao ziemlich fetirt wurde. Auch Alberto,
den viele der Anwesenden als achtjähriges Bubchen gesehn hatten wurde sehr
freundlich bewillkommnet, & einige recht hübsche Gascognerinnen erinnerten ihn an die Zeit wo sie zusamen mit der
Puppe spielten. Eine Schande ist es, & war mir höchst unangenehm daß weder
in dem großen Paris noch hier
türkische Bäder zu haben sind, ja, die guten Franzosen kennen sie nicht einmal.
Ich nehme zwei junge Weinbauer aus der Umgegend von Neuchâtel mit mir, die den Vortrab der
später folgenden Colonisten bilden sollen, um noch & noch meine Sklaven
durch freie Arbeiter zu ersetzen.
Deinen Brief habe ich seiner Zeit in (…)
(…) geschenkt hast. Ueberhaupt hast du meinen Kindern
unendlich viel Freundlichkeit erzeigt, & warst ihnen stets ein liebevoller
Onkel; auch Alexandrine hat die Buben jederzeit mit ungemeiner Güte &
Nachsicht behandelt; auch sehn sie das dankbar ein & bewahren euch beiden
ein sehr freundliches (…)




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