(Brief Ferd. 21 15 - 08 – 1878 Salgado, an Charles in Bern)
Libussa verlobet mit Johan von Adami 25 J. alt, issu de
germain der Braut gew. Sardin. Schiffscapitain
Constança schon 2 Bewerber, einer v ihr einer v Ferd. abgewiesen. -
Kerou sucht noch in Rio Platz
Alberto unterhält sich
Fernando brav, aber zu jagdlustig
Während ich schreibe steht ein halb duzend Indianer im tiefsten negligé vor meiner Verandah & sehn mir zimlich verwundert zu. Ich habe mir nämlich eine Leibgarde von diesem Gesindel anschaffen müssen, um mich vor den Raubzügen der Indianer eines andern Stamm zu schüzen, welche bereits anfingen sehr frech & gefährlich zu werden. Meine Indianer haben schon verschiedene Razias gegen unsre gemeinschaftliche Feinde gemacht, & wol schon ein duzend getödtet, ob sie sie verspeist haben weiß ich nicht - sie behaupten zwar nein, aber ich glaube eher das Gegentheil. Denn die Leute freßen alles & sind immer hungrig. Ein krepirtes verfaulendes Pferd, eine Kröte, ein Mensch, alles ist Fleisch. Anfangs habe ich meine liebe Noth mit ihnen gehabt. Jezt fangen sie an sich etwas zu zivilisiren. Aber schmierig faul & heimtückisch bleiben sie immer. Ich habe den Männern ihre Bogen & Pfeilen abgenommen, & sie mit Gewehren bewaffnet, worüber sie ganz entzückt sind, obwohl die Gewehren (uralte Steinschloß - Monstruös) fast gefährlicher für denjenigen sind der damit schießt, als für jenen auf den geschoßen wird. Das schadet aber nichts, denn ebensogut als wir jezt Freunde & Allirte sind, können wir morgen in Feindschaft geraten. Und da ihnen niemand Munition liefert als ich, sie können so mir nicht schaden, denn um neue Bogen und Pfeile zu machen müßen sie weit ins Innere, wo das Materiel dazu wächst. Ich habe Ihnen ein Stück Land etwa eine Stunde von meiner Behausung entfernt gegeben, ihnen geholfen Hütten bauen & Lebensmitteln anpflanzen. Und da liegen sie um den ganzen Tag & faulenzen. Sontags kommen sie dann auf Besuch nach dem Salgado. Jeder erhält ein Glas Schnaps & etwas Tabak; das ist ihre höchste Wonne. Die Damen liebäugeln um auch ihren Theil zu bekommen. Um mich zu bezaubern haben sie große Toilette gemacht, welche davon besteht, daß sie sich Gesicht & Brust mit breiten roten & schwarzen Streifen bemalen & so noch scheußlicher Aussehn als ohne Schmuck. Die imposanteste Erscheinung ist der alte Kazike, der wohl um 80 Jahre seyn mag. Wenigstens 6 Schuh lang ein Gebiß hat, das einem ordentlich Lust macht davon zerkommt zu werden. Kein einziges weißes Haar. Der einzige der etwas menschlichen Anstand hat. Er ist derselbe der dem Erzherzog Max die Hand schüttelte & ihn als mon cousin traktirte, was dem Prinzen großen Spaß machte. Die mir am meisten Spaß machen sind die Kinder namentlich die kleinen Buben v. 8 - 10 Jahren, mit ihren Bogen, Pfeilen & Köcher sehen sie aus wie Spielzeug. Etwa wie Cupidos von Garlande. Die kleine Bengels schießen schon ganz ausgezeichnet & fehlen selten einen Vogel auf einem hohen Baum oder einen Frosch im Waßer. Früher gingen sie mir immer in meinen Garten & trieben dort Unfug. Wenn ich ihnen sagte, das nicht zu thun, verstanden sie es nicht; wenn ich sie bei den Ohren hinausfürte, nahmen sie es für Spaß. Schlagen durfte ich sie nicht. Da erfand ich aber ein sehr probates Mittel, indem ich sie mit meiner großen Pferdeklystiersprize aus dem Fenster bombardire. Das wirkte & sie haben einen Höllenrespekt vor diesen gewaltigen Waßerstrahl der ihnen mit Perkußionskraft ins Gesicht sprizt & für sie etwas Unbegreifliches Dämonisches ist. Natürlich werden die frömmlichen Herschaften wenn sie zur Visite kommen nie ins Haus gelaßen. Erstens nehmen sie alles in ihren schmierigen Fingern, gebärden sich überhaupt wie echte Wilde, & betteln um alles was sie sehn, wenn es ihnen schon zu nichts dient. Dazu stinkt jeder einzelne wie eine ganze Menagerie. Ihr könnt also denken, welche balsamische Dufte ein ganzes Corps verbreitet. Freßen ist ihr einziges Paßion. Grillen, Regenwürmer, Kröten, alles ist ihnen gut. Wenn ich sie vollgestopft habe, daß sie nicht mehr schlingen können & sie finden einen abgenagten Knochen, eine rohe Erdäpfelschalen auf dem Hof, in den Koth getreten, so krepen sie sie mit den Fingern heraus, um sie zu profitiren. In folge der schlechten Narung sehen sie alle elend aus bloß, schwächlich & mager. Dicke Köpfe & Bäuche & schmächtige dünne Arme & Beine. Wer krank wird, den läßt man in Gotterbarmen krepiren, wo & wie er kann. Auch geht es mit ihnen rasch zu Ende, obwol sie Kinder machen wie die Kaninchen. -
Constança schon 2 Bewerber, einer v ihr einer v Ferd. abgewiesen. -
Kerou sucht noch in Rio Platz
Alberto unterhält sich
Fernando brav, aber zu jagdlustig
Während ich schreibe steht ein halb duzend Indianer im tiefsten negligé vor meiner Verandah & sehn mir zimlich verwundert zu. Ich habe mir nämlich eine Leibgarde von diesem Gesindel anschaffen müssen, um mich vor den Raubzügen der Indianer eines andern Stamm zu schüzen, welche bereits anfingen sehr frech & gefährlich zu werden. Meine Indianer haben schon verschiedene Razias gegen unsre gemeinschaftliche Feinde gemacht, & wol schon ein duzend getödtet, ob sie sie verspeist haben weiß ich nicht - sie behaupten zwar nein, aber ich glaube eher das Gegentheil. Denn die Leute freßen alles & sind immer hungrig. Ein krepirtes verfaulendes Pferd, eine Kröte, ein Mensch, alles ist Fleisch. Anfangs habe ich meine liebe Noth mit ihnen gehabt. Jezt fangen sie an sich etwas zu zivilisiren. Aber schmierig faul & heimtückisch bleiben sie immer. Ich habe den Männern ihre Bogen & Pfeilen abgenommen, & sie mit Gewehren bewaffnet, worüber sie ganz entzückt sind, obwohl die Gewehren (uralte Steinschloß - Monstruös) fast gefährlicher für denjenigen sind der damit schießt, als für jenen auf den geschoßen wird. Das schadet aber nichts, denn ebensogut als wir jezt Freunde & Allirte sind, können wir morgen in Feindschaft geraten. Und da ihnen niemand Munition liefert als ich, sie können so mir nicht schaden, denn um neue Bogen und Pfeile zu machen müßen sie weit ins Innere, wo das Materiel dazu wächst. Ich habe Ihnen ein Stück Land etwa eine Stunde von meiner Behausung entfernt gegeben, ihnen geholfen Hütten bauen & Lebensmitteln anpflanzen. Und da liegen sie um den ganzen Tag & faulenzen. Sontags kommen sie dann auf Besuch nach dem Salgado. Jeder erhält ein Glas Schnaps & etwas Tabak; das ist ihre höchste Wonne. Die Damen liebäugeln um auch ihren Theil zu bekommen. Um mich zu bezaubern haben sie große Toilette gemacht, welche davon besteht, daß sie sich Gesicht & Brust mit breiten roten & schwarzen Streifen bemalen & so noch scheußlicher Aussehn als ohne Schmuck. Die imposanteste Erscheinung ist der alte Kazike, der wohl um 80 Jahre seyn mag. Wenigstens 6 Schuh lang ein Gebiß hat, das einem ordentlich Lust macht davon zerkommt zu werden. Kein einziges weißes Haar. Der einzige der etwas menschlichen Anstand hat. Er ist derselbe der dem Erzherzog Max die Hand schüttelte & ihn als mon cousin traktirte, was dem Prinzen großen Spaß machte. Die mir am meisten Spaß machen sind die Kinder namentlich die kleinen Buben v. 8 - 10 Jahren, mit ihren Bogen, Pfeilen & Köcher sehen sie aus wie Spielzeug. Etwa wie Cupidos von Garlande. Die kleine Bengels schießen schon ganz ausgezeichnet & fehlen selten einen Vogel auf einem hohen Baum oder einen Frosch im Waßer. Früher gingen sie mir immer in meinen Garten & trieben dort Unfug. Wenn ich ihnen sagte, das nicht zu thun, verstanden sie es nicht; wenn ich sie bei den Ohren hinausfürte, nahmen sie es für Spaß. Schlagen durfte ich sie nicht. Da erfand ich aber ein sehr probates Mittel, indem ich sie mit meiner großen Pferdeklystiersprize aus dem Fenster bombardire. Das wirkte & sie haben einen Höllenrespekt vor diesen gewaltigen Waßerstrahl der ihnen mit Perkußionskraft ins Gesicht sprizt & für sie etwas Unbegreifliches Dämonisches ist. Natürlich werden die frömmlichen Herschaften wenn sie zur Visite kommen nie ins Haus gelaßen. Erstens nehmen sie alles in ihren schmierigen Fingern, gebärden sich überhaupt wie echte Wilde, & betteln um alles was sie sehn, wenn es ihnen schon zu nichts dient. Dazu stinkt jeder einzelne wie eine ganze Menagerie. Ihr könnt also denken, welche balsamische Dufte ein ganzes Corps verbreitet. Freßen ist ihr einziges Paßion. Grillen, Regenwürmer, Kröten, alles ist ihnen gut. Wenn ich sie vollgestopft habe, daß sie nicht mehr schlingen können & sie finden einen abgenagten Knochen, eine rohe Erdäpfelschalen auf dem Hof, in den Koth getreten, so krepen sie sie mit den Fingern heraus, um sie zu profitiren. In folge der schlechten Narung sehen sie alle elend aus bloß, schwächlich & mager. Dicke Köpfe & Bäuche & schmächtige dünne Arme & Beine. Wer krank wird, den läßt man in Gotterbarmen krepiren, wo & wie er kann. Auch geht es mit ihnen rasch zu Ende, obwol sie Kinder machen wie die Kaninchen. -




Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen