Victoria den 13 März 1880
Lieber Albert
Nur wenige Zeilen um Dir den am 7 D. erfolgten Tod meiner
Frau mitzutheilen. Ein ganzes Jahr hat sie unsäglich gelitten, so daß für sie,
wie für uns Alle ihr Tod eine wahre Erlösung war. Aber, wenn auch die
Catastrophe lange vorausgesehn war, hat ihr Eintreten uns dennoch Alle
entsetzlich erschüttert. Namentlich die
armen Mädchen, bei denen ich nun Mutterstelle zu vertreten habe.
Lange traurige Zeiten haben wir in den letzten Monaten
verlebt, & selbst jetzt getraut sich noch Niemand im Haus anders als ganz
leise zu reden & anders als auf der Fußspitzen einherzuschleichen, aus
Besorgniß die, nun von ihren Qualen erlößte, Kranke zu stören.
Nie, nie hätte ich gedacht daß ich meine Frau überleben
würde; sie die niemals Krank ja nicht ein mal unwohl war, während ich fast zehn
Jahre lang im elendsten Zustand verlebte & bereits eine Herzkrankheit im
Anzug war.
Für heute schließe ich mit herzlichen Grüßen an Alexandrine &
Berti & umarme Dich mit brüderlicher
Freundschaft.
Ferdinand

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