Mittwoch, 10. August 2016

23/07/1861 (Vater)

Hlubosch le 23 Juillet 1861.



Mon bienaimé Père

Arrivé ici depuis hier soir je m’empresse de T’écrire ces quelques lignes afin de ne pas mériter le reproche d’ecrivain paresseux, qui ne saurait être excusé sous cette latitude par la chaleur tropicale.

Mon voyage s’est effectué avec beaucoup d’agrément. A Schaffouse j’ai trouvé Mrs. Jezler & Frey à la gare du chemin de fer où ils venaient m’attendre depuis plusieurs jours. Le premier de ces deux Messieurs m’a reitéré l’assurance qu’il prétendait ne jamais me vexer pour le recouvrement des intérêts que lui devrai & que je n’avais qu’a le payer quand & comme je pourrai [A. S. - Ein Planzer hat manchmal 2 -3 schlechte Ernten & ist dann ein unpünktlicher Interessenzaler. Im guten Jar holte er leicht mere schlechte nach. Das ist im Brasilien so üblich. Ferd. Eltern & Schwiegereltern lebten noch. Er hatte daher die Pflanzung noch nicht ausgezahlt – Und jezt wollte er seines Vaters Sorgen desshalb beruhigen]. J’ai passé la nuit du 17. Le lendemain nous avons été à la chute du Rhin & après nous avons été visiter les anciennes connaissances à Winterthur & à St. Gall ; puis j’ai été passer la nuit à Zurich. Le 19 matin je suis parti pour Frankfort où je suis arrivé vers 4 heures & où j’ai remis les deux cachets portant nos armes au premier sommelier de l’hôtel d’Angleterre, Mr. Louis d. Steiger étant absent ; puis j’ai continué ma route pendant la nuit jusqu’à Leipzig. De là j’ai fait une excursion à Magdeburg où j’ai visité des vieilles connaissances & où j’ai diné chez mon ancien chef de bataillon, actuellement Lieutenant général.

Le soir je suis retourné à Leipzig d’où je suis parti à 10 heures de la nuit &, voyageant la seconde fois pendant toute le nuit je suis arrivé à Prague le 21 à 6 1/2 heures du matin, où j’ai trouvé Albert qui m'attendait depuis la veille. Enfin hier nous sommes arrivés ici, où j’ai fait la connaissance de ma belle-sœur, qui de prime abord a aquis toute ma sympathie & mon affection, ce qui m’arrive assez rarement ; mais elle est vraiment si charmante & si aimable qu’elle ferait de proselytes parmi les mysantropes. La mère se trouvent également ici ; aussi une dame qui captive par sa bienveillance enjouée.

   Albert m’a dit que Tu as bien voulu venir à notre voyage à Trieste. Je Te remercie de tout mon cœur pour cette preuve de bonté de sollicitude.

Albert avec Alexandrine & leur charmant moutard Vous saluent tous bien affectueusement & moi, j’en fais de même.

                                                               Ton fils reconnaissant

                                                                                                              F. Steiger


"Besuch Ferdinands 1861"

Besuch Ferdinands 1861

(…) In dieser Arbeitsjare brachte der Besuch meines Bruders Ferdinand in Jahre 1861, eine erfreuliche Episode. Es waren fünfzehn Jare seit unserer Trennung verstrichen & als ich ihn in Prag jest in mein Zimmer eintreten sah, könnte ich in den bärtigen, breitschultrigen Mann, mit den feurig blikenden Augen, & der arabisch gebräunten Gesichtsfarbe & Händen, nur mühsam & allmälig das Bild des jung verreisten Bruders wiederfinden. Wir brachten in Hlubosch mit ihm eine frohe Zeit zu. Sein Wunsch Hochwild zu jagen, fand Erfüllung in einer Einladung zu Jagdgesellschaft des Fürsten Colloredo in Dobrzisch & einer anderen, in die entlegenen Teile der Kurfürstlich Forsowizer Forste. Wie bewunderte er diese Säulenhallen von Nadelholz im Vergleich zu den Brasilianer Urwäldern, wo man nur, mit Jagdmesser in der Hand, sich Schritt für Schritt durchs Dickicht der Schlingpflanzen durchhauen muss & wo sogar die Strasse so schmal ist, dass des Reiters Füsse im Gebüsch streifen. Von Wagen ist gar keine Rede. Hätte ich nur ein Stükchen von Euren herrlichen Strassen! seufzte er, um meine Produktenreichtümer wegzubringen, die jezt um mich her nuzlos verfaulen. Aber auf den holprigen Wald- & Hohlwegen wars ihm dann wieder ganz unbehaglich. Tollkühner Reiter durch Dik & Dünn, im Urwald mit dem Pferd über gestürzte Riesenstämme hinüberrutschend & gefärliche Sümpfe durchwatend, war ihm das Neigen & Hängen des Wagens beunruhigend.

Drei Kinder von ihm warteten seiner Rükkehr in die Schweiz, wo er sie in Pension gab, um sie besser zu erziehn, als es in Brasilien möglich war. Die Hize unsres Augustes war ihm drükender als die Brasilianische Sommer, mit seiner feuchten Atmosfäre, in den luftigen Wonungen ohne Plafond, mit weiten Verandahs & stetes offenen Fernstern & Thüren. In den Bergkonzerten von Przibram, wo ich als einstiger Bergbaufreund mit den Bergbeamten verkerte & auch die Nachbarschaft zusammenkam, machte seine kräftige & elegante, weissgekleidete Erscheinung recht gute Figur & seine Heiterkeit, Höflichkeit & Mitteilsamkeit gewann ihm Beifall.

Erzherzog Maximilian, welcher ihn einst auf seiner Pflanzung besucht & in sehr gutem Andenken behalten hatte, wollte bei seiner damaligen Rükkehr nach Europa persönlich meinen Vater auf dem Land in Böhmen aufsuchen, um ihn Nachrichten von Ferdinand zu bringen & liess seinen Besuch in Tloskau ansagen. Leider war mein Vater damals nicht in Böhmen & so brachte nur der Adjudant Graf Bombelles die Brasilianer Nachrichten im Namen des Erzherzogs meiner in Prag befindlichen Gemalin. Ferdinand hatte dem Erzherzog versprechen müssen, ihn in Miramar zu besuchen & meldete ihm daher seine Anwesenheit bei mir; ohne aber darauf Antwort zu erhalten. Er dachte sich vom Erzherzog vergessen, & reiste als seine für mich bemessene Zeit vorüber war, nach Cöln zum Besuch seines ehmaligen Regiments & der nachbarlichen Schlösser am Rhein, wo er vergnügte Tage verlebt hatte. Und jest kam plötzlich Telegramm über Telegramm vom Erzherzog nach Hlubosch, um Ferdinand nach Wien zu berufen. Seine Anmeldung war dem Erzherzog nach Belgien nachgeschikt worden & beim dortigen Gesandten liegen geblieben so dass der Erzherzog sie erst bei seiner Rükkehr aus England erhielt. Ich reiste nach Wien um dem Erzherzog das Misverständniss aufzuklären & liess den damals noch viel spärlichern Telegrafen nach dem Rhein & der Schweiz spielen, um Ferdinand einzufangen. Er kam auch, nachdem ich die damals noch bestehenden Passschwierigkeiten für ihn durch Gefälligkeit des Statthalters Baron Kellersberg geordnet; & wir brachten mit dem Erzherzog, der Ferdinand selbst im Gasthof abholte, einen interessanten Tag in Schönbrunn, als dessen Gäste zu, während welchen er sich in Huld erschöpfte & Ferdinand auch der Erzherzogin vorstellte.

In den Schönbrunner Gewächshäusern fand Ferdinand die aus seinen Pflanzungen & Urwäldern herrürenden Pflanzen wieder; darunter auch seiner niederträchtigsten Unkräuter, welche aus der für die edlen Pflanzen mitgenommen Erde als Contrebande ungebeten hervorgekeimt & zu unverdienten Ehre der kaiserlichen Gewächshäuser vorgerükt waren. Echte parvenus.

Bis an sein Ende blieb der Erzherzog & nachmalige Kaiser Maximilian in Verker mit Ferdinand; schikte ihm bald schöne Waffen, bald die neu erfundene Eismaschine, dann seinen Orden & das Anbot einer hervorragenden Stellung am Hof & im Staat von Mexiko. Aber mit richtigem Blik hatte mein Bruder, sobald die Mexikanische Kaiserfrage aufgetaucht war, mir schon geschrieben: Der gute Erzherzog wird doch gewiss nicht die Thorheit begehen, sich unter dieses Gesindel zu begeben. Und später: Ich denke gar nicht daran, nach Mexiko zu gehen, um dort nähstens sammt dem Kaiser an die Luft gesezt zu werden.

Meine Augen hatten sich seit mehrern Jaren waker gehalten & aller Ermüdung Troz geboten. Mattigkeit & Beklemmungen, die ich spürte, schrieb ich Unterleibsstokungen zu, da ich oft viele sizende Arbeit hatte. Ich begleitete Ferdinand von Wien nach Bern, lernte dort seine drei ältesten Kinder, Amelia, Fernando & Cherubino kennen, die er nach Colombier zur Erziehung in Pension gab & bald noch den siebenjärigen Alberto allein von Victoria über die See nachschikte, wärend die drei jüngsten Töchter in Brasilien bei der Mutter blieben. (…)


12/11/1861 (Albert)

Victoria den 12 November 1861.

Mein lieber Albert

Da bin ich nun wieder in meinen häuslichen Laaren; nicht ohne einige sehnsüchtige Erinnerung an Europa. – Ich erzähle jetzt meine Reise, seit unserer flüchtigen Trennung auf dem Bahnhof in Neuchatel (wo du mir noch auf einen Besuch Hoffnung machtest). Die Kinder waren ganz außer sich vor Freude wieder nach Colombier zu kommen & waren auf dem Bahnhof daselbst gar nicht zu halten bis sie zu Hause waren. Mir war Das ein wahrer Trost & der beste Beweis ihrer Zufriedenheit mit ihrem Loos. Uns ging es anders, wenn Du Dich noch erinnerst, als wir, nach unserer ersten Ferienreise nach Bern, wieder nach Neuchatel zurückkehrten. Barrelet, als Präsident des Comiters der landwirthschaftlichen Ausstellung des Cantons Neuchatel, war den ganzen Tag bis spät in die Nacht beschäftigt, indem die Ausstellung am 19 September eröffnet wurde. Die Kinder gingen mit wahrer Begierde in die Schule, & so verbrachte ich zwei traurige Tage, fast ganz allein. Am 19 gegen Mitag kahm endlich die lange gefürchtete Stunde, die des Abschieds von meinen Kindern; mir wurde dabei so unwohl, daß ich mich nicht mehr aufrecht erhalten konnte; den Kindern schien es wenig zu Herzen zu gehen. Soll ich mich darüber freuen oder betrüben?

Langsam fuhr unser Zug die steile Bahn den Jura hinauf bis Pontarlier: eine prachtvolle, wildromantische Gegend. Von dort bis Salin geht es nach altpatriarchalischer Art auf der Dilligence; ich saß auf der Imperiale um besser sehn zu können. Ein nebelichtes, kaltes Wetter gab uns das Geleit durch die endlosen, traurigen Einöden der Franche Comtée bis kurz vor Salin, wo die Straße durch eine herrliche Staatswaldung von kolossalen Fichten geht, deren Anblick in mir wehmüthige Erinnerungen an Hlubosch erweckte. Von Salin gings dann wieder auf der Eisenbahn, bei prächtigem Mondschein nach Paris, wo der Zug um 5 Uhr früh anlangte. Hier blieb ich bis zum 23 Morgens. Fröhlich waren diese drei Tage eben nicht für mich: Das Hôtel, die Boulevards, Jardin des Tuileries, Bois de Boulogne, Alles erweckte in mir den Vergleich meines Aufenthalts vor nicht drei Monathen & meines damaligen. Im Juni trug ich einen ganzen Himmel von Freude & Hoffnung in der Brust; im September bewegte mich nichts als der Schmerz der Trennung von so vielen Lieben & von euern herrlichen Europa.

Was ich vor meiner Abreise von Brasilien gefürchtet, war eingetroffen. Anfangs fühlte ich mich in Europa, selbst bei den allernächsten Angehörigen, ziemlich entfremdet & verwaist, & sehnte mich nach meinem häuslichen Herd & meinen Urwäldern. Bald aber wurde mir so heimisch & so wohl zu Muthe, daß die Sehnsucht nach Brasilien sich ins Gegentheil verwandelte & der Abschied von dem geistig gebildeten, civilisirten, & dabei doch so gemüthvollen, herzlichen europäischen Leben mir entsetzlich schwer wurde. Des Abschieds von Eltern, Geschwistern & Kindern gar nicht zu gedenken. Jetzt fühle ich mich höchst unglücklich; meine Victoria, wenn bisheriges El dorado ist mein Botany bai geworden: mit der Zeit wird sich das hoffentlich bessern. – In Paris brachte ich zwei Abende mit Vetter Rudi zu; er scheint mir viel ernsthafter geworden zu sein; möglicher weise ist dies auch eine optische Täuschung meiner trübsinnigen Gemüthsstimmung. – In einem Restaurant in welchen wir zu Mittag speisten trafen wir auch einst ein brasilianisches Ehepar, welches eben seine Kinder zur Erziehung nach Europa brachte: ein sonderbares Zusamentreffen von Umständen! diese Analogie unserer beiderseitigen Lagen; nur lebt dieses Ehepar noch ganz in Hoffnung & Zukunft, während für mich nichts mehr von Europa übrig blieb als Erinnerungen.

Von Paris nach Bordeaux reiste ich absichtlich bei Tage um mir die vielgepriesene Touraine & Guyenne anzusehn; meine Erwartung wurde aber vollkommen getäuscht, denn etwas Einförmigeres, Langweiligeres giebt es kaum, als diese schlecht cultivirten unbegränzten Ebenen. In Bordeaux kam ich den 23 September gegen 10 Uhr Nachts an. Mein Platz auf dem Paquet war bereits genommen, die Paßangelegenheiten bald beendet & so blieb mir fast der ganze Tag vom 24ten um mich in der Stadt herumzutreiben: eine höchst interessante charakteristische Stadt. Hier machte ich die Bekanntschaft der Frau des Hrn. Von Rüte, welcher vor Zeiten unsere Schwester Therese heirathen wollte, &, ohne letzterer zu nahe zu treten, glaube ich sagen zu dürfen daß er nicht schlechter bei dieser Wahl gefahren ist; insofern man nämlich, über den Werth einer Person, in einer einstündigen Visite sich ein Urtheil bilden darf. – Am 25 gegen Mittag führen wir auf einem kleinen Dampfer die Garonne hinab bis Poliac, wo wir den herrlichen Dampfer Le Béarn bestiegen & sofort, um 4 Uhr Nachmittags, in See stachen. Das Wetter war stürmisch, die See gieng hoch & die Welle & Wind waren uns entgegen; daher fuhren wir langsam & die meisten Passagiere waren seekrank. Das Schönste an Bord war der Esssaal, ein Ruffel auf dem Deck, von 32 Metres Länge & 10 Breite; weiß laquirt mit goldenenen Einfaßungen & Verzierungen, dazu zahlreiche große Spiegel & 12 vortreffliche Oehlgemälde; das Mobiliar grün mit Gold von Palissander. Ebenso war auch unser Tisch der Art, daß die besten Hôtels von Paris nichts Vorzüglicheres liefern können. Es war ein wahres Elysium für Gastronomen. Alles andere war aber dafür um so schlechten; Schiffsraum, Cajüten, Bedienung, Administration ect; alles geht in einem entsetzlichen Schlenderjan & Subordination ist eine ziemlich unbekannte Größe. Das ungünstige Wetter verspätete unsere Ankunft in Lissabon um einen halben Tag. Von dort aus schrieb ich Deiner Frau zwei Zeilen in aller Eile, als letztes Lebewohl von Europa. (Ich wußte nämlich nicht wohin Dir adressiren & so richtete ich meinen Brief nach Hlubosch an Deine Frau). Lissabon trägt einen ganz eigenthümlichen Charakter: an einigen Stellen sieht man noch die Trümmer des großen Erdbebens; andere Plätze & Promenaden tragen vollkommen den eleganten Stempel einer großen Haupt- & Residenz Stadt; während in vielen andern Straßen & Vorstädten ein so entschieden brasilianischer Effekt hervortritt, daß ich mich mehrmals nach Bahia versetzt glaubte. – Am 29 Abends fuhren wir wieder den schönen Tajo hinunter dem Meer zu. Jetzt erst war es möglich sich einen Begriff von unserer Reisegesellschaft zu machen, die, vom ersten Choc der Seekrankheit größtentheils erholt, anfing unser geselliges Leben in Ganz zu bringen. Vorherschend war das spanische Element, wohl über 50 Personen von den 115, meist Passagiere für Buenos Ayres & Montevideo; ernsthafte, höfliche Leute, die nur selten Feuer faßten; die Damen etwas coquet. Dann kamen die Franzosen; meist höchst uninteressante Leute; Commis voyageurs, pacotilleurs & chevaliers d’industrie. Dann kamen die Brasilianer, darunter einige von der hohen Aristokratie, Gutsbesitzer ect; mehrere mit Familie, wobei einige recht hübsche, liebenswürdige Senhoritas. Sämtliche waren leicht kenntlich an den Augen, haaren & den überaus feinen Händen & Füßen. – Die Portugiesen erfreuten sich der allgemeinen Geringschätzung, als derjenigen Nation, welche von ihren drei Stammverwandten nur die gemeinen Instinkte, aber nichts von dem heldenmüthigen, wenngleich oft fanfaronen, Stolz & Ehrgefühl, gemein hat. – Auch einige Deutsche befanden sich an Bord & sogar drei Schweizer ließen ihr melodisches Idiom vom Stappel. – Den Glanzpunkt sämtlicher Passagiere bildete die Compagnia lyrica vom Theater St. Carlos in Neapel, welche nach Rio de Janeiro angagirt war & sich mit ihrem Impresario dahin begab. Drei Damen & vier Herren, sämtlich äußerst angenehme, fröhliche, gebildete Leute, die nicht wenig dazu betrugen uns die Reise zu einen wahren Fest zu machen.

Neptun spielte uns jedoch übel mit; schon die Ausfuhr ins Meer vom Tajo aus war sehr schlimm; draußen aber bekamen wir einen solchen Sturm, daß ich nicht hätte auf einem Segelschiff sein mögen. Volle drei Tage dauerte der Spaß. Alle Lücken geschloßen, das Verdeck unter Wasser, die Maschine stark beschädigt, ohne einen Zoll vorwärts zu kommen; so verbrachten wir 3 ziemlich unangenehme Tage.

Endlich am 3 October legte sich der Sturm & wir fuhren mit doppelter Dampfkraft & vom Passatwind begünstigt nach St. Vincent, auf dessen Rhede wir am 7 früh anckerten. Ich wollte du könntest diese fürchterlich zerklüftete, zerißene Inselgruppe sehn; etwas Trostloseres Unheimlicheres kann es nicht geben. Jahre vergehen dort ohne daß ein Tropfen Regen fällt; einmal soll es 8, sage acht, Jahre lange nicht geregnet haben. Die Rhede, von allen Seiten durch die senkrechten Felswände der sie umschließenden 3 Inseln, geschloßen, scheint weder Ausgang noch Eingang zu haben; mich mahnte sie etwas an den Thuner See; nur in der Mitte steigt ein kolossaler Obelisk aus dem Wasser, auf dessen Spitze eben ein Par Seeadler ihren Horst gebaut hatten. Ich verbrachte hier einen recht genußreichen Tag, indem ich in Begleitung eines jungen Spaniers, seiner Schwester & meines guten Fernrohrs die Gegend, vom Morgen bis zum Abend, durchreiste; am Strand sammelte ich schöne Muscheln & Madreporen. Am Abend fuhren wir aus & nun gings bei herrlichem Wetter nach Pernambuco, dem brasilianischen Venedig, wo wir am 14 Abends ankamen.

Von da bis Bahia hatten wir wieder äußerst heftigen Südwind, so daß wir erst am 16 Abends in die prachtvolle Bai von Bahia einliefen. Hier erfuhr ich zu meinem großen Leid daß das Dampfschiff, das mich nach Ilhéos bringen sollte, den selben Tag früh Morgens ausgefahren war, & daß ich mich volle 15 Tage sterblich in Bahia langweilen mußte. Endlich am 1 November trat ich meine letzte Etage an & kam am 2 Morgens, unter mancherlei Gefühlen in Ilhéos ein. Hier wartete mir mein Schwiegervater mit den Pferden &, wie die wilde Jagd zogen wir aus, zuerst nach seiner Pflanzung & endlich nach meiner Victoria. Mein Einzug erfolgte auf feierliche Weise: meine Frau empfing mich aber unter Thränen & dem schmerzlichen Aufruf: "meine Kinder!"

Jetzt läuft alles wieder im gewohnten Geleise &, wäre das Haus nicht so still & leer, in Folge der Abwesenheit der drei Kinder, so würde mir meine ganze Reise nach Europa als ein Traum erscheinen. – Ich fand Alles in bester Ordnung vor, Dank meiner Frau; die Erndte war leider sehr schlecht, was ich übrigens im Voraus wußte; dafür sind die Preise ganz fabelhaft hoch.

Du bist jetzt in Prag & regalirst Dich mit Schnee, Eis & entlaubten Bäumen. Grüße mir Deine Frau von ganzem Herzen & ganzer Seele, ich habe sie unendlich lieb gewonnen; ebenso Deine Schwiegermutter. Wir waren doch ein herrliches vierblätteriges in Kleeblatt in Hlubosch. Den kleinen Berti grüße ich natürlich auch. Meine Frau empfiehlt sich den freundlichen Andenken Aller. Nun leb wohl mein lieber Bruder; Du brauchst mit der Antwort durchaus nicht zu eilen. Du hast des Schreibens so schon so viel. – A propos – Prost Neujahr!

                                                                               Dein Treuer Bruder

F. Steiger

Grüße an Dolphi & Deine andern Schwäger; Hoffentlich geht es mit Eugen noch nicht so schlimm als man fürchtete.




20/11/1861 (Vater)

Victoria le 20 Novembre 1861
repondu 10 Jan 1862


[A. S. - Heimker aus Europa]

Mon Père bienaimé

Me voici enfin de retour à mon foyer domestique depuis de 2 du mois courant. Mon entrée s’est effectuée avec toute la solemnité & l’allégresse possibles ; ma femme seulement n’a pu réprimer un débordement d’amour maternel & m’a reçu les larmes aux yeux avec le cri  "mes enfans !"  [A. S. - Er hatte sie nach Europa zur Erziehung gebracht]

Maintenant tout a repris son train ordinaire, le besogne ne me manque pas, &, si ce n’était le vide occasioné par l’absence de mes trois enfans, tout mon voyage en Europe m’apparaîtrait comme un songe. Toutefois je dois avouer que je m’en ressens encore, grâce au mal du pays qui m’attriste. La vie d’Europe est si belle, si attrayante, que mon état d’anachorête me pèse.  Autrefois je n’aurais pas échangé ma position contre le sort le plus brillant en Europe ; maintenant mon oppinion est bien changée. Enfin espérons que ce moment de découragement causé par le Heimweh sera passager & que, bientôt je me vouerai de nouveau à mes occupations avec le contentement d’une vocation choisie & non plus avec la simple résignation d’un devoir implacable à accomplir. – Grace à l’activité sensée de ma femme j’ai tout trouvé en parfait état &, ce qui est le principal, les nègres contens & gais. Elle a plus de tact & savoir faire pour gouverner ces gens-là, que je n’en ai moi-même.

La seule mauvaise nouvelle a été celle de la récolte de café complètement manquée, ce qui n’est la faute de personne, mais une conséquence naturelle de la sècheresse horrible de l’an passé. Heureusement que les perspectives pour la prochaine récolte son telles, que je crains ne pas avoir les forces nécessaires pour la rentrer. J’espère faire pour près de 100.000 francs entre café & cacao, à moins que quelque fleau, semblable à la sécheresse de l’année passée, ne vienne de nouveau anéantir les esperances les mieux fondées. Enfin, Dieu sait ce qu’il fait !

Tu as, sans doute déjà reçu ma dernière, datée de Bahia 29 Octobre, & qui T’anonçait mon arrivée dans cette ville. Si nous avions ici les facilités de communications d’Europe, j’aurais pu T’écrire par Steamer de Southampton du 12 ; mais ici on ne va pas si vîte.

Lors de mon passage à Colombier j’ai réglé avec Mr. Barrelet le compte des dépenses de mes enfans, restant lui devoir un solde de 200 francs. Jusqu’au 1er Janvier le montant de leurs frais de pension sera de 750 francs. Je Te prie de bien vouloir remettre à Mr. Barrelet cette somme ou en entier ou en partie, selon que je sois plus ou moins crédité dans notre compte courant ; en Te remerciant par anticipation de cette faveur, ainsi que de toutes celles à venir.

 La présente devant Te parvenir de derniers jours de cette année, je profite de l’occasion pour Te souhaiter une bonne & heureuse année, ainsi qu’à Maman, Elise, Thérese, Charles & tous les oncles, tantes, cousins & cousines, auxquels je me recommande en même temps : Puissions-nous dans 3 – 4 ans nous revoir tous, ainsi que je l’espère.

Ma femme Vous prie tous d’agréer l’expression de ses sentimens affectueux & respectueux. Adieu ! Je Vous embrasse tous avec une tendre amitié.

                                                                               Ton fils dévoué F. Steiger


26/06/1862 (Vater)

Victoria le 26 Juin 1862

Mon cher Père

Enfin je puis répondre à ta lettre du 10 Janvier. J’ai passé du mauvais temps & payé cher ma bienvenue au Brésil ; j’ai même failli trépasser ; c’est comme si j’ai avais en un présentiment en mettant le pied sur le sol du Brésil, que du reste je chéris comme une seconde patrie. Le pis est que ma maladie m’a condamnée à un sejour à Bahia de près de trois mois & à une dépense de pris de trois mille francs. Ma pauvre femme s’est donc vu de nouveau forcée à repondre le gouvernement de ma plantation, après deux mois de repos. Je ne prétends pas te faire l’histoire de ma maladie, mais j’eu dirai quelques mots comme preuve qu’avec la meilleure volonté de bien faire, on fait quelquefois mal.

En Europa on a les jouissances du cœur & de l’esprit : ici on n’a que celles du corps, dont une des premières est une bonne table, aux plaisirs de laquelle on s’adonne d’autant plus qu’il faut, en effet, soigner, nourrir & stimuler son corps beaucoup plus qu’en Europe. Or, à mon retour ici, habitué au régime sobre de l’Europe, ayant étudié quelques œuvres homéopathiques, qui prêchent la tempérence & que je trouvais parfaitement rationels, trouvant qu’il était ignoble de dévorer journellement des masses de grosses viandes, de s’ingurgiter des quantités des gros vins de Porto, de Tenerifa ; le tout accompagné de bon nombre de tasses de café, dont on ferait tout une cafetière pleine de chacune en Europe, & de petits verres de cognac & de rum : j’ai complètement modifié mon système de vie ; c. a. d. j’ai continué mon hygiène d’Europe, subsituant le vin de Bordeaux avec de l’eau aux vins captieux du Portugal, combinant la nourriture végétale avec l’animale, congédiant les liqueurs fortes ect. Sans croire aller trop loin dans ces réformes de tempérance, je l'ai portant été. Les médecins me l’ont dit & l’expérience l’a montré.

J’ai attrapé la maladie qu’on appelle ici Anémie générale endémique, qui consiste en une tendence de tout l’organisme à se liquéfier, à se changer en eau. Le sang se métamorphose en eau, la chair en lymphe, vers la fin même les os deviennent spongieux & imbibés de liquide ; une fièvre adinamique accompagne la maladie ; l’épiderme devient d’une pâleur livide ; le cœur fait des efforts désespérés pour mettre en circulation le sang dégénéré, auquel les poumons ne communiquent plus d’oxigène ; les extrémités enflent d’abord, puis tout le corps & l’hydropisie termine la scène. Heureusement je n’ai pas été jusqu’à la fin, grâce à mes deux médecins, un Anglais & un Allemand, qui m’ont soigné avec la sollicitude de vrais amis, & non comme des mercenaires. Au reste il est très rare d’observer cette maladie chez des individus de ma cathégorie ; elle ne se rencontre guère que chez esclaves maltraités par leurs maîtres & chez les colons venus d’Europe & sujets à toutes les misères auxquelles les spéculateurs les abandonnent honteusement. Le seul prophylactique est une diète nourrissante, stimulante, échaufante même ; les remèdes sont les aromatiques, les acides & surtout le fer. – Grâce à Dieu me voici rétabli, mais encore sujet à beaucoup de précautions ; la mémoire & l’intelligence ont en plus de peine à se rétablir que les forces physiques. J’ai un appétit de loup, mais aussitôt le soleil couché, je grelotte de froid. Voici pour ma maladie – Maintenant aux affaires.

Ma récolte de café a été gravement compromise par l’apparition d’un insecte qui, après avoir dévasté les plantations de café à Rio, est venu dans nos parages, où il a mis les cafiers dans un état qui fait pitié à voir. C’est avoir du malheur ! sans cet insecte je payais cette année-ci les trois quarts de tout ce que je dois. Heureusement que la récolte était tellement abondante, que, même après le sacrifice de plus de la moitié, faite au dit insecte, le résultat de l’année sera superbe (vu les mauvaises circonstances) & ne fournira guère moins de 20 Contos de Reis bénéfice net. Pour plus de trois quarts de cette somme, sans compter les dépenses annuelles sont déjà faits, & je crois bien pouvoir évaluer ce qui est encore à cueillir à 5 Contos. – Il est vrai que les prix du café sont magnifiques : 84 francs le quintal de 50 Kilos. Aussi ma femme a tellement pressé la récolte & les remises à Mrs. Jezler à Bahia, afin de profiter des beaux prix, qu’elle en est tombée malade & que, à mon arrivée ici, il ma imédiatement fallu changer mon rôle de malade contre celui garde-malade & médecin ; d’autant plus que j’ai un grand nombre de nègres malades & la petite vérole parmi les négrillons. – Pour ce qui est de mon compte courant avec toi, dont tu as eu la bonté de m’envoyer un aperçu, il va sans dire que je ne tirerai jamais des sommes pour lesquelles tu ne m’as pas crédité ; (..). Tout ce que je te prie c’est de payer de 6 en 6 mois, à Mr. Barrelet, le montant de la pension de mes enfans, qui est de 750 f. comme tu sais ; au cas que mon avoir soit insuffisant pour cela tu payeras ce qu’il y aura, & si cet avoir venait à se réduire à Zéro, comme tu dis que cela pourrait éventuellement arriver : alors la seule faveur que je réclame est d’en être instruit le plus tôt possible, afin de pouvoir aviser. Quant aux autres dépenses extraordinaires de mes enfans je les règle depuis ici avec Mr. Barrelet, trouvant très superflu d’avoir des fonds de réserve (quelques mesquins qu’ils puissent être chômant en Europe, tandis qu’ils peuvent me rapporter ici 10 - 12%. – Voilà pour les affaires.

C’est avec beaucoup de peine que j’ai appris la mort de mon oncle Sinner, de la cousine de Seedorf & de ton ancien cammarade Mr. D’Erlach, ainsi que de la grammère Herrenschwand. Je te prie de bien vouloir présenter mes respects â tous les Parents & amis de la famille, qui se souviennent encore de moi. Je ne suis ancunément étonné de ce que tu me dis de Mr. May de Hüningue. – Dans 4 jours ce sera l’aniversaire du jour où je t’ai revu après une séparation de 15 ans ; en même temps ton jour de naissance pour lequel je t’envoie mes vœux affectueux & sincères, espérant le fêter encore une en plusieurs fois dans ta compagnie.

Mes enfans m’écrivent chaque mois depuis Colombier & paraissent excessivement contents. Mr. Barrelet aussi ne fait que louer leurs procédés jusqu’ici ; j’ai ici un moutard (Alberto) qui aurait grand besoin d’aller rejoindre sa sœur & ses frères en Suisse ; mais, pour l’envoyer tout seul c’est trop risqué & pour l’accompagner moi-même, c’est trop couteux. En attendant il demande tous les jours à partir, pour aller rejoindre ses compagnons en Europe.

Nous avons ici des pluies diluviennes qui, après trois ans de sècheresse causent beaucoup de maladies ; heureusement que le maudit insecte du café s’en trouve aussi mal que nous autres & dépérit peu à peu ; le froid aussi est excessif : avant-hier à 5 ½ heures du matin 11 ¾o R. nous autres nos gêlons positivement par un froid semblable.

Si tu écris à Albert dis lui que j’ai reçu sa lettre, qui s’est croisé avec la mienne & que je lui répondrai prochainement.

Enfin, je te remercie bien cordialement, ainsi que ma mère & mes sœurs pour les cadeaux de nouvel-an, que vous avez en la bonté d’envoyer à mes enfans. Prochainement tu recevras le sac de café promis, afin d’avoir un échantillon de mes produits, que j’ose citer, sans fatuité, comme les premiers en qualité, de la place de Bahia, & qui ne le cèdent en rien à ceux de Rio.

Je termine en te saluant bien tendrement, ainsi que ma mère & mes sœurs ; mes complimens affectueux à la tante Elise & ses enfans ; oncles Fritz & Benoît ; tante Julie ; frère Charles & sa progéniture.


                                                                               Ton fils obeissant
                                                                                                                              F. Steiger




Samstag, 6. August 2016

25/09/1862 (Albert)


                                                                             Victoria den 25ten September 1862

       (A.    S. – Allerlei)


Lieber Albert

Mit zerknirschten Gemüth & unter holdem Schamerröthen ergreife ich endlich die Feder um an Dich & meine liebe Schwägerin zu schreiben, denn Eure beiden Mahnbriefe haben mich endlich aus meiner tropischen Apathie (die Ihr nicht kennt, mithin nicht zu würdigen versteht) herausgerißen. Ich bekenne meine Schuld & flehe um Gnade, kann jedoch, als verstockter Sünder, keine sofortige Besserung versprechen. Wahrlich, schon längst hättest du einen kolossalen Brief von mir, wenn Gedanken gleich zu Buchstaben würden & sich versenden ließen; so muß man aber alles zu Papier bringen; dazu kommt daß einem die Zeit hier viel schneller entflieht als bei Euch, wo der Wechsel der Jahreszeiten auf das Vorrücken des Jahrs aufmerksam macht, während hier das ewige Einerlei der Natur nichts davon merken läßt & man nur aus seiner Buchhaltung weiß in welchem Monat man sich befindet.

Daß mir Eure beiden Briefe eine ungeheure Freude verursacht haben, brauche ich wol nicht zu sagen; die freudigen Ereigniße sind hier so karg gemeßen; & dann freut mich alles von Euch jetzt doppelt nachdem ich so unvergeßlich schöne Tagen bei Euch zugebracht. Wir waren kaum den Flegeljahren entwachsen als wir uns in Berlin trennten, sei der Zeit warst Du mir eine fast unbekannte Persönlichkeit geworden, Deine Frau war es ganz, Böhmen kannte ich nicht mehr. Jetzt ist das Alles ganz anders & meine Gedanken finden überall Anhaltspunkte, wenn ich an Dich denke.

Mir geht es erträglich: über ein Uebermaß von Glückseligkeit kann ich freilich nicht klagen. Im Monat Mai machte ich einen verunglückten Sterbeversuch, der auch viel Zeit & Geld koste, indem er mich zu einem zweimonathlichen Aufenthalt in Bahia zwang. Ich weiß nicht wie ich auf die Idee kam meine Lebensweise zu ändern & die europäischen nachzuahmen, d. h. vernünftig zu essen & zu trinken, denn Du machst Dir keinen Begriff von den Unmaßen von Fleisch, Wein, Cognac, Piment, Cafe ect, die man hier zu verschlingen gewöhnt ist. Die Lektüre von homöopathischen Merken welche Mäßigkeit predigen die in Paris kaufte; eine ziemliche Dosis Heimweh, die auch nach meiner Rückkehr von Europa plagte, so wie der heiße Sommer in Januar vereinigten sich mit meiner verpfuschten Diät & welche in den Tropen endemisch ist, aber selten an andern Individuen beobachtet wird, als an malträtirten Sklaven oder an jenen unglücklichen Einwanderern die vor Elend & Kummer jämerlich zu Grunde gehen. Die Krankheit besteht in einer Tendenz des ganzen Organismus sich in Wasser aufzulösen: das Blut eröffnet den Reigen & allgemeine Wassersucht macht den Cotillon zum Schluß. Du sagtest mir einst, daß bei euch die Schafe an einer ähnlichen Krankheit leiden; so habe ich denn Gastrollen als europäischer Hammel hier zum Besten gegeben. Ich hatte schon ein ganz anständiges Quantum von Wasser unter meinem Zellgewebe angesammelt, dennoch gelang meinen zwei Aerzten mich wieder auf die Strümpfe zu bringen. Es sind dies zwei Freunde, ein Engländer & ein Deutscher, mit welchen ich schon seit Jahren in gelehrter (wenigsten von ihrer Seite) Corespondenz über Medizin & Naturwissenschaft stehe. Nach einer fortgesetzten Behandlung zu Hause mit fetten Rehe, Wildschwein- & Tapirbraten, halb roh genoßen, nebst altem Portwein, Cognac & Cafeextrakt, alles in ganz alöopatischen Dosen appliciert, befinde ich mich auch, Gott sei gedankt, nun wieder vollkommene wohl; habe auch das leidige Heimweh an den Nagel gehängt & wäre ganz glücklich, hätte mich nicht eine andere Calamität heimgesucht. Ich bin nun einmal ein Pechvogel.

Besagte Calamität erschien in dem Besuch eines fast mikroskopischen Wurms, welcher sich millionenweise über meine Cafepflanzungen hermachte & dieselben in einen verzweifelten Zustand versetzt. Daß die prachtvolle Erndte auf welche ich hoffte & die ich zu ungefähr 1250 Säcken geschätzt hatte (der Sack hat 125 Pfunden & gibt gegenwärtig 36 Milreis – 100 francs) dabei zu Grunde ging, versteht sich von selbst; dennoch geben die traurigen Reste, über 400 Säcke, ein schönes Resultat im Vergleich mit andern Jahren. Dieser Verlust meiner Erndte würde mich nicht sehr kränken, wenn er einzig wäre. Das Schlimmste ist aber daß meine Cafebäume durch das unseelige Insekt größtentheils getödet worden sind oder sich auf besten Wege dazu befinden. So sind namentllich jene 150.000 jungen Cafebäume, an welchen ich seit vier Jahren kein Opfer an Zeit & Geld gescheut, welche meine ganze Hoffnung für die Zukunft ausmachten & welche endlich alle meine Mühe zu lohnen versprachen indem sie nur allzusehr mit Früchten überladen waren – gänzlich dahin. Ich kann sie in Bausch & Bogen aus meinem Etat streichen; statt ihrer steht eine Assemblee von Besen in schnurgeraden langen Reihen, wehmüthig über Berg & Thal gestreckt. So stehe ich denn nach 5 jähriger Arbeit wieder an meinem Anfangspunkt vom Jahr 1857, nur mit dem Unterschied daß die 80.000 Bäume (welche ich damals von H. May kaufte) um 5 Jahre älter sind, daher ihre Ertragfähigkeit auf die Hälfte reducirt ist. – Besagtes Cafeinsekt hat spartamische Grundsätze – es ehrt die Greise - & während es die jungen, kräftigen Bäume schonungslos verhehrte, verfuhr es äußerst glimpflich mit den alten Veteranen, welchen ich viel lieber den Abschied ertheilt hätte. – Es gehört ein ziemlich dickes Fell dazu um bei solchen Umständen nicht aus der Haut zu fahren; glücklicherweise habe ich etwas von der Natur der Pachidermen & handle deßhalb so, wie der Kupferschmied singt; «Und wer das Lied nicht weiter kann, Der fang es wieder von vorne an». – Von vorne wieder anfangen, heißt es für mich. Immerhin! Paciença! einmal muß & wird das Pech enden.

Gleichzeitig mit Deinen letzten Brief erhielt ich endlich den ersten Band von des Erzherzog Max brasilianischen Reise Skizzen, nebst einem sehr freundlichen Brief. Das Buch trägt die dedicace in portugiesischer Sprache an meinen Schwiegervater «meo muito prezado & estimado amigo Sr. Egidio ect. ect». Daß ich das Merk mit wahrer Wolfsgier verschlang kannst Du Dir leicht vorstellen. Es handelt übrigens von dem, mir weniger interessanten Theil, von des Erzherzogs Reise; nämlich von seinem Aufenthalt & seinen Ausflügen in Bahia & Umgegend. Der zweite Theil, der später nachfolgen wird & der den Titel – «Victoria» - bekommen soll, während der erste den Tittel – «Bahia» - führt, fängt eben, für mich, mit dem interessantesten Theil de Reise an: mit der Ankunft des Autors in Ilhèos, woselbst er unter meine Vormundschaft gerieth & bis zu seiner Abreise verblieb. Sehr begierig bin ich auf diesen zweiten Theil, welcher mich natürlich überaus interessirt. Uebrigens ist schon der erhaltene erste Theil äußerst interessant; man merkt es auf jeder Seite, daß das Buch nicht fürs große Publikum & zum Gelderwerb geschrieben ist. Einige Passagen darin haben mich, nach mehrmaligen Lesen, jedesmal zu einem wahrhaft homerischen Lachen gezwungen. Das Ganze athmet correkte Wahrheit, schwärmerischen Entusiasmus für alles Schöne, genaue Beobachtung & einen unerschöpflichen Frohsinn. Wir armen Sklavenbesitzer kommen jedoch sehr schlecht weg.

Letzthin hatte ich hier den Besuch eines wunderschönen schwarzen Tigers dessen Fährte 6 ½ Zoll breit war; er hat sich übrigens die ganze Zeit höchst anständig aufgeführt & auch nicht das miserabelste Schwein oder Schaf zum Andenken mitgenommen; nur ein mal verursachte er einen panischen Schrecken unter dem Negern, indem er am hellen Mittag mitten unter der sämtlichen Negerei, welche eben in einer Pflanzung nahe am Hause arbeitete, plötzlich erschien. Wer den größten Schrecken empfand ist bisher noch nicht entschieden: factum est, daß das Angstgeheul der Neger die harmlos spazierende Bestie zur schleunigsten Flucht, mit hochgehobenem Schweif, veranlaßte; während die Neger, mit wilden Sätzen nach der entgegengesetzten Seite rannten. Zum Dank für sein musterhaftes Betragen, während seines sejour bei mir, beabsichtigte ich dem Tiger das Fell über die Ohren zu ziehen & gieng daher mehrmals auf den Anstand; wer aber nie erschien war mein Tiger, der sich, sans tambour ni trompette, verabschiedet, was mir sehr leid that, indem ich sonst sein prachtvolles Fell dem Erzherzog geschickt hätte, als erstes Opfer seines herrlichen Doppelstutzers. Die Benennung Tiger ist eine unrichtige, rein lokale; sämtliche brasilianische Katzenarten führen den gelehrten Stamen felix onça, wovon die armen Thiere natürlich nichts wissen. Hier nennt man Tiger diejenige onça, welche, bei einer körperlänge von 6 – 8 Fuß, ganz schwarz ist, d. h. auf glänzend schwarzen Grund befinden sich conzentrische längliche Ringe von matten glanzlosen Schwarz, so daß das Ganze einem Moiré – Sammet nicht unähnlich ist. Schöne Thier, mit stolzer Haltung und maliziösem Blick, dabei aber gemütlhich und harmlos, wen man ihnen nichts zu leid thut. Alle wohlbeleibten, fetten Leute, die Tiger nicht ausgenommen, sind gemüthlich & jovial; nun schoß letzthin mein Schwager so ein Thier, daß einzig an Nierenfett 14 Pf. lieferte, des andern Speckes gar nicht zu gedenken. Wie kann so ein Domprobst grausam, ja nur unfreundlich sein? – Schlangen, Schlangen sind für mich der einzige Greuel hier zu Land; die die ich sehe fürchte ich nicht, aber so eine Bestie rollt sich zusamen, daß sie oft nicht größer als ein Thaler ist & kricht einem dabei in Zimmer, Magazine, Ställe ect. ect. Man könnte sich wundern daß so äußerst wenige Leute von giftigen Schlangen gebißen werden, da man diese Thiere überall antrifft; aber die gütige Natur hat dies, wie Alles einzurichten gewußt: Die giftigen Schlangen sind nämlich so entsetzlich faul & schläfrig, daß man sie positiv erst mit Fußtritten wecken muß, um sich alsdann um ihren Biß zu bewerben. Die nichtgiftigen Schlangen hingegen sind stets munter & lebhaft, von glänzenden, mitunter geschmacklosen Farben, roth, grün, gelb, ect, während die giftigen stets ein bescheidenes Gewand tragen – braun, grau, schwarz, dabei aber geschmackvol selbst elegant gezeichnet & marmorirt. Die erstern sind die fidelen Bauern die zur Kirchweih ziehn, die letztern repräsentiren die heutige europäische fashion, die in eleganter nonchalance die Zeit verschläft & nur hie & da durch einen giftigen (wenngleich keine Blausäure enthaltenden) Biß ihr Dasein manifestirt. Im zoological garden in London & in zoologischen Museum von Stuttgard befinden bereits mehr als hundert lebendige Schlangen & andere Reptilien, die meine Unterthanen waren; ich schicke dieselben an meine Freunde D’tor Paterson & D’tor Wucherer in Bahia, natürlich als Present, diese schicken die Thiere in ihre respektiven Heimathen, Auf diesen Wege wären wir fast zu einer neuen Verwandschaft gekommen, denn, nachdem ich unter andern Schlangen, noch zwei unbekannte unbeschriebene Arten geschickt hatte, wovon die eine nach London marschierte, erhielt ich von dort aus die Nachricht daß man, aus lauter Dankbarkeit, der Bestie meinen Namen geben wollte; ich protestirte energisch gegen diese Ehrenbezeugung & verzichtete auf meine Rechte zu Gunsten meines Freundes D’tor Wucherer, welchem ich zur neuen Verwandschaft gratulirte. So bist Du eines Vetters – cousin Xenodon pantherinus Steigeri los & die ehrsamen Spießbürger Bern’s brauchen denselben nicht in ihre Register einzutragen. Ich, für meinen Theil, hätte ihn nicht angerührt, & hätte er auch jahrelang im Spiritus gelegen. Aber, da schwatze ich von Tigern, Schlangen & sonstigem Gethier, welches Dich sehr wenig interessirt.

A propos vom alten Marco, von welchem meine liebenswürdige Schwägerin Nachrichten verlangt, so muß ich sie zuerst höflichst bitten meine Neger nicht zu desacreditiren: ein alter Neger ist nichts werth, ein junger hingegen gibt ein bis zweitausend Gulden; nun ist besagter Marco nur wenig über die Zwanziger, mithin noch kein altes Subjekt. Er hat in letzter Zeit eben keine Seide gesponnen, indem er von seiner Würde als mein Stallmeister & Leibdiener zu der eines simpeln Arbeiters in den Pflanzungen herabsank, nach vorheriger Applikation einer ziemlichen Dosis von Hieben. Er hatte nämlich, bei einer Anwandlung erzherzoglichen Selbstbewußtseins, es für zweckmäßig gefunden mir einige Goldstücke zu stellen; ein äußerst seltener Fall bei Negern. Der Erzherzog hat nur den Kerl verdorben, indem er ihn als wahren gentleman seines Gleichen behandelte. Nun, wie man sich bettet so liegt man, & einen Tag bei einer kaiserlichen Hoheit speisen um am andern Tag Peitschenhiebe zu erhalten ist jedenfalls ein unangenehmer Contrast.

Was man Dir vom schlimmen Einfluß des amerikanischen Krieges auf die brasilianischen Sklaven gesagt hat, ist glücklicherweise rein erdichtet. Erstens wissen sie gar nichts von der ganzen Angelegenheit & zweitens, wären sie auch vollkommen au courant der Peripethien dieses Krieges, so würden sie ehe Parthei für die Sklavenbesitzer als für die Sklavenbefreier nehmen. Sie sind zu glücklich & zu klug um ihr behagliches, sorgenloses Leben gegen eine Existenz voll Sorgen & Armuth umzutauschen, einzig & allein um des Wörtleins «Freiheit», für sie ein reines Abstraktum.

Heute ist es ein Jahr, daß ich mich in Bordeaux, in sehr trüber Stimmung einschiffte. Meine Photographien habe ich erhalten & danke Dir für die Besorgung.

Recht leid thut es mir zu vernehmen daß es mit Deinen Augen immer noch nicht besser gehen will; übrigens bist Du noch jung & lebst äußerst solide, daher ist immer noch die beste Aussicht vorhanden. Eine Kur im herrlich grünen, balsamisch feuchten Urwald würde Dir wohl bekommen.

/Pourtalès/ sind schäbige Filze, wie alle Parvenüs, besonders wenn die Quelle des Reichtums eine unlautere ist, so wie dies beim Stammhalter /Pourtalès/ der Fall, welcher außer andern Geschäften auch den Negerhandel mit Fleiß & Erfolg betrieb.

Sage allen Bekannten, die so freundlich sind zu bedauern mich, während meines Aufenthaltes in Böhmen, nicht gesehn zu haben, daß dieses Bedauern auch meiner Seits aufrichtig erwidert wird.

Ich mache von der Autorisation Alexandrinens ihr nicht separat zu schreiben, Gebrauch. Was sollte ich ihr auch sagen? daß sie ungemein freundlich & liebenswürdig ist: Das weiß sie selbst, & andere haben es ihr oft genug gesagt. Du, solider Kauz, der allererste, als Du, wie der verliebte Ritter unter ihren Fenstern sangst:

«Hab ein Schloß & finstre Wälder,
Habe Berge, reich an Erz,
Munter Herden, goldne Felder,
Und – nach Dir – ein krankes Herz».

Ich grüße sie, die liebe Schwägerin, aus vollem Herzen; ebenso Deine Schwiegermutter, welche mir unvergeßlich bleibt &, der ich nie genug für die mir bewiesene gütige Freundschaft danken kann. – Sogar die Empfehlungen des Hluboscher Pfäffleins erwidere ich.

Meine Frau dankt herzlich für Eure Grüße, sie brennt vor Begierde nach Europa zu gehen, während sie früher, bei dem bloßen Gedanken an Europa, sich schon zwischen Eisschollen & Schwergestöber begraben sah. – Mein Schwiegervater fängt an zu spüren, daß er über die Fünfzig hinaus ist & negocirt einen Waffenstillstand auf unbestimmte Zeit, mit den Tigern & Unzen. Meine Schwiegermutter wird zu dick & macht mir, als Hausarzt, viel Sorgen & Mühe. Beide danken recht sehr für Eure Grüße & erwidern sie aufs freundschaftlichste.

Beinahe hätte ich vergeßen Euch mitzutheilen, daß ich abermals mit einem Kinde, dem Nro 8, beglückt worden bin. Es ist dies für mich so eine alltägliches Ereigniß, daß ich Euch künftighin melden werde, wenn ich in einem Jahr kein Kind bekommen werde. Der neue Sproßling gehört zum schönen Geschlecht & heißt Julie.

Ich küße den kleinen Berti von ganzem Herzen; erinnert er sich noch meiner?

Meine besten Grüße an Deine Schwäger: Dolphi & die mir leider unbekannten.

Nun leb wohl mein lieber Bruder; Gott segne & behüte Dich & Alle die Deinen. Wer weiß wann wir uns wiedersehn, denn meine Aktien stehn gegenwärtig ziemlich schlecht. Vielleicht besuchst Du mich noch ein mal.

Dein treuer Bruder Ferdinand.








07/06/1863 (Vater)


                                                                                                            Victoria le 7 Juin 1863

Mon très cher Père

Ta lettre du 9 Janvier m’a causé un bien grand plaisir à cause de toutes les bonnes nouvelles qu’elle contient. En premier lieu ce sont les bonnes notices de Ta santé & de celle de ma mère : grand bienfait de la Providence dont je La remercie du fond du cœur, car ainsi il est probable que nous nous revoyons encore en ce monde. Il est naturel que Tu ressentes quelque peu les effets de l’âge avancé, surtout après une vie tellement laborieuse, mais il y a bien des gens qui n’ont pas plus de soixante ans & qui envieraient la vigueur physique & morale dont Toi & ma mère jouissent encore.

Ma santé va parfaitement depuis un an que j’ai echappé à la mort ; toutefois je sens diminuer la force & l’énergie, ce qui du reste arrive à tous les Européens établis dans des pays de la zone torride, surtout dans le voisinage des forêts vierges.

Je puis ravi du bon accueil que tout le monde a bien voulu faire au petit sac de café envoyé l’an passé, quoique j’atribue une bonne part de son succès à l’amitié que les personnes respectives ont pour moi. Toutefois je puis dire sans fatuité que mes cafés sont depuis longtemps les meilleurs qu’exporte la place de Bahia & que même a Rio on n’en fait pas de meilleur. J’ai en occasion de m’en convaincre, à ma grande joie, lors de mon passage à Bordeaux en 1861, où les cafés à la marque F.S . sont très bien connus & Mr. Charles Silliman, un des premiers importeurs de café à Bordeaux m’a temoigné le plaisir qu’il avait de connaitre le producteur du fameuse café F.S., auquel il ne trouvait qu’une seul défaut, savoir d’être trop cher. En effet mes cafés 1re Qualité coutent à Bordeaux, sans palan, 1 fr. 10 cent, donc à peu de chose près au prix que Tu as évalué dans Ta lettre. Depuis l’instalation de la ligne de paquets transatlantiques de Bordeaux, c’est à cette place que vont tous les cafés 1re Qualité du Brésil & il n’y a que le rebut qui aille au Havre. L’exporteur trouve son compte à payer le fret élevé des paquets parce que le café arrive sur place avec tout l’éclat de sa couleur, tandis qu’à bord d’un voilier, qui met environ deux mois pour la traversée, la belle couleur verte (caractéristique au café du nouveau continent) se perd & se change en une teinte opaque, ce qui ne fait aucun mal à l’arome & au goût du café, mais ce qui considéré comme un défaut, par suite d’un préjugé ancien. Le café que je bois a une vraie couleur de boue, parce qu’il a toujours 6 – 8 ans, pendant lesquels il perd complétement sa nuance verte ; pourtant il y a peu de princes qui boivent de meilleur café que moi. – Conservez le café que je vous ai envoyé dans un lieu bien sec ; le café perd tout mérite lorsqu’il est exposé à l’humidité.

Puisque nous parlons de café je Te dirai que cette-ci je n’ai pour ainsi dire pas de récolte du tout, & cela par la très simple raison que je n’ai plus de plantations de café, ne pouvant donner ce nom aux vastes champs sur lesquels ou n’aperçoit que de longues lignes de troncs secs, parsemés par ci par là de quelque cafier verdoyant. Quel aspet désolant, même pour celui qui n’y a point d’interêt. Le travail de 5 ans, pendant lesquels j’ai négligé tout les autres travaux, & une dixaine de Contos de reis : tout est perdu ; c’est cependant dur. Me voici dans les conditions voulues pour faire banqueroute ; car même en fesant de nouvelles plantations de café il faut attendre 4 – 5 ans pour en avoir du bénéfice & jusque là je serai dévoré /par mes dettes/. – Enfin patience ! [A. S. – Er war sehr sanguinisch. Die Banqueroute kam nicht !] Il me reste encore un puissant ancre de salut : « Le Coton » : Si j’y avais pensé il y a 6 ans, lorsque j’ai acheté la Victoria, & si, au lieu de me ruiner avec du café, j’avais employé le même travail & le même capital à la culture du coton – je serais riche à l’epoque présente. Le coton ne souffre point de la sécheresse, au contraire il craint la pluie, excepté pendant les premières semaines après le semis ; or depuis 1858 nous navons en que des sécheresses. Mais le plus important avantage du coton est la célérité avec laquelle il entre rapport. Ainsi tandis qu’il faut 3 – 4 ans au moins au café & le double de ce temps au cacao ; le coton entre en rapport après 6 ou 12 mois, selon que c’est lespèce herbacée ou arborée. J’ai fait venir de Rio de la graine du premier que je planterai le mois prochain &, pour peu que quelque nouvelle calamité ne se mette pas de nouveau de la partie, jusqu’à la fin de l’an je ferai ma récolte & en Mars, époque à laquelle j’ai effectuer mes payemens, mon coton sera vendu & tout pourra s’aranger pour le mieux. En tout cas j’ai l’avantage que,  si une plantation de coton vient à manquer, dans 6 mois je puis la remplacer par une autre, au lieu des longues années qu’il faut pour cela avec le cacao & le café. Toutefois je ne veux point encore abandonner ces deux cultures quelque ingrates qu’elles aient été pour moi. – Donc il ne faut encore désespérer de rien ; j’ai encore le tabac, la soie, la cochenille & l’indigo [A. S. – richtig !] comme dernières resources, & il faudra bien que d’une manière ou d’une autre cela aille.

J’ai appris avec plaisir & reconnaissance que Tu as fait de beaux cadeaux de nouvel-an à mes enfans, ce dont je Te remercie bien sincèrement, ainsi que de la ponctualité avec laquelle Tu veux bien toujours payer la pension de mes enfans. Il m’a été bien pénible de ne pas avoir que envoyer mon quatrième, le petit Albert, rejoindre ses ainés à Colombier ce printemps, mais Mr. Barrelet m’a dit se trouver pour le moment dans l’impossibilité de le recevoir. Grace à Dieu les quatre petits ici se portent parfaitement, ainsi que leur mère & les trois qui sont en Europe ne me donnent que de la satisfaction sous tous les rapports. C’est là un bienfait que je dois à mon excellent ami Barrelet, que je ne pourrai jamais assez remercier & estimer.

Nous avons dans nos eaux continuellement des corsaires americains des deux partis, qui se chassent & se battent ; heureusement que les idées d’émancipation ne trouvent aucun écho parmi les esclaves du Brésil, qui sont trop bien trâités pour désirer un changement de position, à moins qu’on ne parvienne à leur inculquer des principes de philosophie & à réveiller leurs passions.

Il y a quelques mois que j’ai reçu une lettre de la Tante Elise, elle serait bien aimable de me faire savoir son adresse à Berne, afin de pouvoir lui répondre.

Et maintenant Adieu ! J’embrasse bien affectueusement ma mère & Elise, ainsi que mes autres frère & sœur ; mille choses amicales au beau-frère Charles, Tantes, Oncles & autres parents. Ma femme se recommande à Votre souvenir. Que Dieu Vous donne à tous la santé & une longue vie.

                                                                               Ton fils affectioné Ferdinand